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Der Norden braucht mehr Lehrer, mehr Ganztag, mehr Forschung 

Der Bildungsmonitor für alle 16 Bundesländer wird vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln seit 2004 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt, inzwischen zum 16. Mal. Die anhand von 12 Handlungsfeldern und 93 Indikatoren gefertigte Studie ermittelt, inwieweit ein Bundesland die Bildungsteilhabe verbessert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Püntklich zum Schulanfang nach den Sommerferien wurden nun die neuesten Ergebnisse der Studie veröffentlicht.

„Viel Schatten, wenig Licht.“ So fasst Bildungsexperte Peter Golinski, Geschäftsführer für Bildung bei den Arbeitgeberverbänden der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie NORDMETALL und AGV NORD, das Abschneiden Schleswig-Holsteins beim Bildungsmonitor 2019 zusammen.

„Letzter Platz bei den Ganztagsangeboten, auf den letzten drei Plätzen bei der Anzahl von Schülern pro Lehrkraft, bei der Forschungsorientierung und im MINT-Bereich. Schleswig-Holstein hat dringenden Verbesserungsbedarf in gleich mehreren Bildungsfeldern“, findet Bildungsexperte Peter Golinski. Gleichwohl sieht er auch einige positive Entwicklungen im Bildungsvergleich mit den anderen Bundesländern. „Bei der Kompetenz im Lesen oder Rechnen, der Anzahl der Schüler, die eine Klasse wiederholen müssen oder beim Berufsvorbereitungsjahr hat sich Schleswig-Holstein durchaus gute Noten erarbeitet“, urteilt Golinski.

Hamburg: Gute Noten für Hamburgs Bildung, Schwächen bei der Unterrichtsqualität
Hamburg erreicht beim Vergleich der Bundesländer im Bildungsmonitor 2019 mehrfach vordere Plätze. „Vom Fremdsprachenunterricht über Ganztagsangebote bis zur Effizienz der Sach- und Personalmittel, Hamburg schneidet oft sehr gut ab“, fasst Peter Golinski, zusammen. Bei den Leistungen der Schülerinnen und Schüler selbst sieht er jedoch noch Schwächen, denn im Handlungsfeld Schulqualität erreicht Hamburg nur Platz 14. Beispielsweise lesen Hamburger Viertklässler schlechter (Platz 12) als Schüler in anderen Bundesländern. „Hamburg sollte also stärker auf die Pädagogik und die Lernerfolgskontrolle achten, insbesondere bei sogenannten Risikogruppen“, fordert der Bildungsexperte. Zwar seien hier bereits Fortschritte erkennbar, „aber Hamburg muss in der Kategorie Bildungsarmut deutlich besser werden“, meint Peter Golinski. Immerhin hätten in Hamburg nur 5,2 % der Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen, im Bundesdurchschnitt sind es 6,3 %. Im Bereich Studium falle auf, dass es in Hamburg weiterhin wenig Studierende im MINT-Bereich (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik) gibt. „Da neben der dualen Berufsausbildung gerade diese Studiengänge enorm wichtig für die Gestaltung unserer digitalen Zukunft sind und solche Abschlüsse hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen, sollten die bestehenden Hamburger Hochschulen hier mehr und bessere Studienplätze und Bildungsangebote schaffen“, findet Peter Golinski.

Niedersachsen: Hohe Ausgaben aber wenig Erfolge
Niedersachsen investiert viel Geld in die Bildung, im Bundesländervergleich der Ausgaben erreicht das Land Platz sechs. „Die hohen Ausgaben führen aber nicht zu entsprechend guten Leistungen in den verschiedenen Bildungsbereichen“, kritisiert Bildungsexperte Peter Golinski. „Richtig gut läuft in der Bildung in Niedersachsen praktisch nichts“, konstatiert der Geschäftsführer für Bildung bei den Arbeitgeberverbänden der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie NORDMETALL und AGV NORD. „Bei den Ganztagsangeboten in Kita und Grundschule, der Internationalisierung der Bildung oder dem Berufsvorbereitungsjahr ist Niedersachsen sogar richtig schlecht“, analysiert Golinski die Ergebnisse des Bildungsmonitors. Sein Fazit: „Hohe Ausgaben für Bildung müssen zu guten Resultaten führen. In Niedersachsen versickert das Geld aber offenbar in der Mittelmäßigkeit.“

Mecklenburg-Vorpommern: Lehrermangel gefährdet Bildungserfolge
„Wer genau weiß, wann seine Lehrer pensioniert werden, sich aber trotzdem nicht rechtzeitig um Nachwuchs kümmert, der bekommt ein großes Problem. Und genau das hat Mecklenburg-Vorpommern nun.“ So kommentiert Peter Golinski ein zentrales Ergebnis des Bildungsmonitors 2019, der die Bildungssituation in allen Bundesländern detailliert vergleicht. „Diese Versäumnisse gefährden die Erfolge bei der Bildung im Land“. „Wie sollen die guten Leistungen beispielsweise bei den Ganztagsangeboten oder der Lesefähigkeit in Zukunft gehalten werden, wenn es kaum noch Lehrer gibt“, kritisiert Peter Golinski. Zwar versuche das Bildungsministerium dem Lehrermangel nun mit verschiedenen Maßnahmen entgegenzusteuern, „aber natürlich kann man nicht auf die Schnelle aufholen, was man so lange vernachlässigt hat. Insofern ist der am Dienstag von Bildungsministerin Martin angekündigte ‚Aktionsplan Lehrerbildung & Lehrergewinnung‘ mehr als überfällig.“

Bremen: Neue Koalition, alte Hausaufgaben: Ganz viel zu verbessern bei Bremens Bildung
„Bremens Bildungssenatorin Dr. Claudia Bogedan hat zwar die Versetzung in den neuen Senat geschafft, aber sie muss in dieser Legislaturperiode deutlich besser werden, denn ihr Zeugnis über die letzten vier Jahre fällt ziemlich schlecht aus.“ So beurteilt Peter Golinski, die Leistungen der alten und neuen Bildungssenatorin angesichts des schlechten Abschneidens Bremens beim Bildungsmonitor 2019. „Wenn Bremen bei der Schulqualität, der Bildungsarmut und den Bildungsausgaben zum wiederholten Mal den letzten Platz unter allen 16 Bundesländern belegt, kann damit definitiv niemand zufrieden sein“, kritisiert Golinski. Er meint, dass „Frau Dr. Bogedan in der Schule mit solchen schlechten Noten die nächste Klasse wohl kaum erreicht hätte.“
Dabei habe Bremens Bildung durchaus ihre Stärken, vor allem im Bereich der Hochschule, der Forschungsorientierung (beides Platz 1) oder der Berufsorientierung (Platz 4). „Deswegen muss die Bildungssenatorin dringend und intensiv an den vielen Schwächen des Bremer Bildungssystems arbeiten“, fordert Bildungsexperte Golinski. „Sicher könnte es dafür nicht schaden, wenn sie sich bei allen Unterschieden an den ‚Klassenbesten‘ der Länder orientieren würde.“

Einzelergebnisse lesen Sie hier:

https://www.insm-bildungsmonitor.de/2019_downloads.html

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