Im Jahr 2018 war der US-Dollar einer der wenigen Lichtblicke für Anleger.

Er wertete spürbar auf und machte damit einen Teilder heftigen Kursverluste bei Aktien und Anleihen vergessen. Doch auf dem aktuellen Niveau mehren sich die Anzeichen für einen Trendwechsel. Viele Kurstreiber dürften in den kommenden Quartalen an Kraft verlieren.

Der Zinsvorteil wächst nicht

Einer der wesentlichen Treiber für die Dollar-Aufwertung war die kontinuierlich steigende Zinsdifferenz. So hat die US-amerikanische Notenbank ihren geldpolitischen Straffungskurs fortgesetzt und in vier Schritten den Leitzins um einen Prozentpunkt nach oben geschraubt.

Auf Tagesgeldkonten gibt es in den USA dadurch mittlerweile wieder rund zwei Prozent Zinsen. Auch US-amerikanische Staatsanleihen können mit Renditen jenseits der Zwei-Prozent-Marke punkten. Damit werfen sie wieder mehr ab, als die Inflation an Kaufkraft kostet. Dies klingt insbesondere für viele europäische Anleger traumhaft.

Aber: Mit Blick nach vorne dürfte der Zinsvorteil des US-Dollars kleiner werden. Die US-Notenbank hat bereits signalisiert, dass die wirtschaftlichen Risiken in den USA zunehmen, und dass sie keine weiteren Zinserhöhungen plant.

 

Die EZB wird dagegen 2020 mit ersten Zinsmaßnahmen beginnen, so dass der Zinsvorteil perspektivisch kleiner wird. Darauf dürften sich die Anleger ab dem Sommer 2019 verstärkt einstellen.

Der Wachstumsvorteil geht zurück

Auch der zweite Treiber für einen stärkeren US-Dollar, das positive Wachstumsgefälle, verliert an Kraft. 2018 sorgte die US-Steuerreform für kräftige Pluszeichen von fast drei Prozent.2019 spricht hingegen Vieles für einen Rückgang des US-amerikanischen Wirtschaftswachstums. Wir erwarten mehr als einen halben Prozentpunkt weniger, während sich die Eurozone auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres stabilisieren dürfte.

Die politischen Sorgen dürften kleiner werden

Die politischen Ängste, die den Euro 2018 immer wieder belastet haben, sollten im laufenden Jahr zumindest nicht weiterwachsen. So erwarten wir in den kommenden Wochen Klarheit beim Brexit. Egal, welchen Ausgang das Thema auch nimmt – ab dem zweiten Quartal sollte damit ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor entfallen, der den Euro seit längerer Zeit spürbar belastet hat. Auch die Situation in Italien und Frankreich hat sich beruhigt. Die Ängste vor einem neuerlichen Ausbruch der Staatsschuldenkrise dürften abklingen. Auch das ist ein Argument gegen eine spürbare Dollar-Aufwertung.

Langfristige Bewertungsmodelle sprechen für Euro

Während Zinsen, Wachstumsdifferenzen und Politik kurzfristig zu den wesentlichen Einflussfaktoren auf die Währungsentwicklung zählen, dominieren langfristig andere Faktoren. Insbesondere die sogenannte Kaufkraftparität spielt eine große Rolle. Bekannt geworden ist sie über den „Big Mac-Index“, bei dem man den Preis eines weltweit verfügbaren Burgers in unterschiedlichen Währungen vergleicht. Die Logik dahinter: Ist das gleiche Produkt in einem Währungsraum besonders günstig, dürften sich mehr Käufer entscheiden, das Produkt in dieser Währung zu erwerben. Dadurch fließen Gelder in die jeweilige Währung, was langfristig zu einer Aufwertung führen sollte. Nun mag das für den Burger in der Mittagspause wenig praktikabel klingen. Für Elektrogeräte, Bekleidung, Maschinen und Autos sieht es da schon anders aus. Zumal der Onlinehandel dazu führt, dass Länderbarrieren oft nur noch auf dem Papier bestehen. Nach dem Prinzip der Kaufkraftparität ist der US-Dollar mittlerweile eine der teuersten Währungen weltweit, der Euro dagegen extrem günstig. Zwar werden Kaufkraftunterschiede selten über Nacht behoben. Aber auch diese spürbaren Abweichungen sprechen für die kommenden zwölf bis 18 Monate eher für einen schwächeren US-Dollar.

Was heißt das für den Anleger?

In den kommenden Monaten dürften US-Dollar und Euro seitwärts tendieren. Entsprechend muss sich der Anleger noch keine großen Sorgen über seine Dollar-Position machen. Das könnte sich über den Sommer ändern. Insbesondere wenn die US-Notenbank auch im dritten Quartal auf Zinserhöhungen verzichtet, könnte der US-Dollar unter Druck geraten. Wir rechnen zwar nicht mit einem Einbruch, könnten uns aber bis zum Jahresende eine Bewegung in Richtung 1,18 bis 1,20 vorstellen. Trotz dieses rund drei bis fünf prozentigen Verlustrisikos würden wir auch im zweiten Halbjahr 2019 an einer Beimischung von US-amerikanischen Aktien und Anleihen festhalten. Auch Rohstoffe, deren Preise ebenfalls in US-Dollar gehandelt werden, gehören weiter ins Depot. Wir gehen davon aus, dass die entsprechenden Anlagen einen positiven Effekt auf das Gesamtdepot haben und sich das Währungsrisiko damit bezahlt macht. Allerdings würden wir die US-Quoten über den Sommer leicht reduzieren.

Fazit: Zunächst noch weiter so

Anleger, die in US-Dollar-Anlagen investieren, müssen ihre Anlagestrategie kurzfristig noch nicht überdenken. Allerdings dürfte es im Sommerhalbjahr sinnvoll sein, einen Teil der US-Dollar-Anlagen im Depot zu veräußern. Eine moderate Abwertung des Greenbacks wird mit Blickrichtung auf das zweites Halbjahr immer wahrscheinlicher.

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