Unternehmen in Norddeutschland sehen internationale Konflikte mit zunehmender Sorge

So viel steht fest: Die Politik von US-Präsident Trump wirkt. Und zwar negativ. Nur 20 Prozent der international tätigen Unternehmen in Hamburg und Schleswig-Holstein bewerten die Vereinigten Staaten noch als guten oder sehr guten Partner im internationalen Geschäft. Damit liegen die USA mit deutlichem Abstand hinter Deutschland, Frankreich und China, wo die norddeutschen Unternehmen im internationalen Vergleich die besten Rahmenbedingungen erkennen. Das geht aus der repräsentativen Studie „Wie sicher sind die Märkte? Risiken managen im internationalen Geschäft“ vor, die die Commerzbank soeben vorgelegt hat.

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Das Kreditinstitut hat in einer repräsentativen Befragung bundesweit 2.000 Unternehmen nach ihrer Einschätzung zu den Rahmenbedingungen im internationalen Geschäft vor dem Hintergrund wachsender Spannungen durch amerikanische Strafzölle oder Brexit befragt. Die Unternehmen in Norddeutschland zeigen sich dabei überdurchschnittlich sensibel gegenüber dem bevorstehenden Austritt der Briten aus der EU und bewerten China noch häufiger als Firmen in anderen Bundesländern als zuverlässigen Handelspartner.

Trotz internationaler Krisenherde setzt der Mittelstand weiter auf Internationalisierung. Aktuell exportieren 47 Prozent der Unternehmen aus Hamburg und Schleswig-Holstein fast durchweg in den Euroraum. 13 Prozent der Unternehmen mit Internationalisierungspotenzial zögern. Doch verändern geopolitische Turbulenzen wie anhaltende Handelsspannungen sowie der Brexit die Rahmenbedingungen. Der Mittelstand ist jedoch darauf eingestellt und setzt je nach Größe auf Kernprodukte, den Vertrieb im EU-Binnenmarkt oder auf Innovation und internationale Diversifizierung. Wesentlicher Treiber für Internationalisierung ist die zunehmende Digitalisierung von Geschäftsprozessen, so geben es 88 Prozent der Unternehmen an. Weitere Treiber sind die hohe Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Produkte (74 Prozent) und günstige finanzielle Rahmenbedingungen (64 Prozent).10

„Eine wichtige Erkenntnis für uns als Bank ist, dass Unternehmen mit Potenzial für Internationalisierung angesichts der geopolitischen Situation und vermuteten Unsicherheiten bei Auslandsinvestitionen zurückhaltender agieren“, kommentiert Stefan Otto, Bereichsvorstand Mittelstandsbank Nord/West der Commerzbank AG, die aktuelle Studie. „Wir sehen uns deshalb aufgefordert, den Mittelstand dabei zu unterstützen, beherrschbare Risiken beim Gang ins Ausland abzusichern. Unternehmen in Hamburg und Schleswig-Holstein sollten ihre Chancen auf den Weltmärkten weiter nutzen.“

Vor dem Hintergrund der wachsenden internationalen Spannungen, aber auch neuer umweltpolitischer Herausforderungen sehen viele der befragten Unternehmen die Perspektiven ihrer Geschäftstätigkeit als eingetrübt: 36 Prozent rechnen mit negativen Auswirkungen der Dieselkrise auf das eigene Geschäft, das sind 9 Prozentpunkte weniger als im Bundesdurchschnitt. Ebenfalls 36 Prozent sehen negative Folgen des Klimawandels. Der Trend: Mittelständler mit bis zu 15 Millionen Euro Jahresumsatz konzentrieren sich bei der Expansion auf ihre Kernprodukte (63 Prozent). Für 44 Prozent steht der EU-Binnenmarkt im Vordergrund. Etwas weniger als die Hälfte (48 Prozent) betreiben Absicherung von Zahlungs- und Ausfallrisiken. Unternehmen mit über 100 Millionen Euro Jahresumsatz verstärken die eigene Innovationstätigkeit (78 Prozent) und digitalisieren Produkte oder Prozesse (79 Prozent). Über zwei Drittel (67 Prozent) dieser Unternehmen sichern sich gegen Zahlungs- und Ausfallrisiken ab. Die angepassten Internationalisierungsstrategien exportierender Unternehmen wirken sich auf die Wahl ausländischer Märkte aus: Neue Märkte liegen für 14 Prozent in Übersee wie beispielsweise in Indien und Nordamerika, 12 Prozent planen nach China zu gehen. Produktionsstandorte werden am häufigsten nach China (31 Prozent) verlagert, aber auch in Länder des Verbands südostasiatischer Staaten ASEAN (11 Prozent) und nach Polen (11 Prozent).

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